Donnerstag, 30. April 2020

"Ich sehe was, was du nicht siehst" von Mel Wallis de Vries [Rezension]

"Ich liege auf dem Boden eines kalten dunklen Raums. Es ist feucht und muffig, als käme nie frische Luft herein."*

Inhalt

Emma ist verschwunden. Das letzte Mal haben ihre Freundinnen sie auf dem Weihnachtsfest gesehen. Seitdem gilt sie als vermisst. Zwar fehlt sie Lilly, Anouk, Bo und Mabel, dennoch beschließen die Mädchen schweren Herzens, den mit Emma geplanten Urlaub auch ohne sie anzutreten. Doch im Ferienort haben die Freundinnen das Gefühl, beobachtet zu werden. Als dann das T-Shirt in Bos Tasche auftaucht, das Emma trug, als sie verschwand, sind alle sich sicher: Emmas Mörder hat es auch auf sie abgesehen!

Meine Meinung

In "Ich sehe was, was du nicht siehst" geht es um die vier Freundinnen Lilly, Bo, Mabel und Anouk, die nicht unterschiedlicher sein könnten, aber dennoch seit vielen Jahren miteinander befreundet sind. Bis zum letzten Weihnachtsfest, was inzwischen ein halbes Jahr her ist, waren sie noch zu fünft. Emma, die fünfte im Bunde, verschwand jedoch nach der Feier und tauchte nie wieder auf, weshalb man davon ausging, dass sie tot sei. Die fünf hatten einen gemeinsamen Sommerurlaub geplant, den die vier Mädchen auch ohne Emma antreten. Manchen fällt diese Entscheidung sehr schwer und anderen weniger. Anfangs scheint es ein regulärer Urlaub zu sein, doch dann fühlen sich die Mädchen plötzlich unwohl. Es scheinen übernatürliche Dinge zu geschehen und nicht nur das: sie fühlen sich auch beobachtet und es kommen immer wieder Erinnerungen an Emma zurück. Sie meinen sogar ihren Geist zu sehen und als dann Emmas T-Shirt auftaucht, welches sie bei dem Weihnachtsfest vor ihrem Verschwinden getragen hatte wissen die Mädchen Bescheid: Emmas Entführer ist in der Nähe und hat es vermutlich auch auf sie abgesehen.

Liest man den Klappentext und sieht dann noch das passende Cover, ist die Vorfreude auf diesen Jugendthriller sehr hoch. Jedoch muss ich an dieser Stelle sagen, dass ich ein wenig enttäuscht war. Denn es hat sich wesentlich besser angehört, als es dann im Endeffekt war.
Für Einsteiger in das Genre ist wahrscheinlich perfekt, aber wer schon den ein oder anderen (Jugend-)Thriller gelesen hat, der kommt hier nicht ganz auf seine Kosten. Die Idee ist eigentlich ziemlich gut und sehr originell, jedoch war die Umsetzung nicht allzu ideal. Die ersten zwei Drittel des Buches plätschern eher vor sich hin und man hat das Gefühl, dass nicht wirklich viel passiert. Die Spannung war relativ niedrig und ich habe eher weiter gelesen um zu schauen, was denn jetzt noch passiert. Wird es noch spannender? Ja, wird es. Und das im letzten Drittel, was echt schade war. Es war auch ein wenig vorhersehbar in meinen Augen und dann endet das ganze plötzlich. Grundsätzlich hat mir das Ende und dieses letzte Drittel sehr gut gefallen, aber bei 240 Seiten ist es echt nicht viel. Der Plottwist gegen Ende ist sehr raffiniert und lässt die/den Leser*in stutzen und man fragt such wirklich wie man es schafft auf so eine Idee zu kommen. Man vermutet hier und da verschiedene Szenarien, die dann ausgeschlossen werden müssen, da man sonst keinen Thriller mehr hätte.
Der Schreibstil ist einfach gehalten und dadurch, dass es sich so locker, flockig lesen lässt, bleibt man an dem Buch dran. Es lässt sich sogar sehr schnell lesen, aber wäre der Schreibstil nicht so gut gewesen, dann hätte ich das Buch vermutlich abgebrochen.
Die Charaktere schienen mir sehr suspekt zu sein. Bo war beispielsweise die meiste Zeit einfach nur anstrengend und hat genervt. Grundsätzlich stellt man sich bei allen die Frage: Warum fahrt ihr gemeinsam in den Urlaub, wenn ihr euch nicht leiden könnt? Und warum fahrt ihr überhaupt, wenn ihr keine Lust auf diesen Urlaub habt? Die Protagonistinnen waren zwar im Großen und Ganzen sympathisch, aber mir hat die Tiefe gefehlt. Vieles bleibt an der Oberfläche und man erfährt nur kurz und knapp etwas über sie. Dadurch werden komplexe Fragen so knapp wie möglich beantwortet, was ich schade fand. Denn hier hätte es sehr gut gepasst, wenn man beispielsweise auch mehr über die Beziehung zu Emma erfahren hätte. Gerade was Emma betrifft ist vieles einfach schwammig geblieben. 
Im Großen und Ganzen war es eine leichte Lektüre, die ein wenig zum Nachdenken anregt und viele Themen anschneidet. Diese Themen kommen leider oft zu kurz und die Spannung ist vor allem gegen Ende hin präsent. Das Cover und der Titel passen sehr gut zur Geschichte und für Einsteiger in das (Jugend-)Thriller Genre ist es eine sehr gute Wahl.

Bewertung

Mein Fazit: eine tolle Idee, bei der es leider an der Umsetzung ein wenig mangelt. Daher vergebe ich 3 von 5 möglichen Sternen.
Eure szebra

Zum Buch

Titel: Ich sehe was, was du nicht siehst
Originaltitel: Shock
Autorin: Mel Wallis de Vries
Aus dem Niederländischen von: Verena Kiefer
Verlag: One Verlag
Originalverlag: VBK Media
Erscheinungstermin: 30. April 2020
Preis: 12.00€ (HC); 8.99€ (eBook)
Seiten: 240
Altersempfehlung: ab 14 Jahren

Autorin

Mel Wallis de Vries, geboren 1973, ist in den Niederlanden DIE Autorin für Psychothriller im Jugendbuch. Ihre Titel finden sich regelmäßig auf den Bestsellerlisten wieder und werden von Jugendlichen wie Erwachsenen gerne gelesen, wie die verschiedenen Preise beweisen, mit denen die Bücher der Autorin ausgezeichnet wurden.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

*S.9 aus "Ich sehe was, was du nicht siehst" von Mel Wallis de Vries; Werbung aufgrund von Markennennung und Verlinkungen

1 Kommentar:

  1. Danke für deine schöne Rezi.Hat mir sehr gut gefallen.Habe das Buch damals im Wellness Biberach Urlaub verschlungen.Fand es einfach nur klasse und es hat total Spaß gemacht zu lesen.Lg Bine

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