Freitag, 26. Juni 2020

Narziss und Goldmund [Filmrezension]

Zum Film

Titel: Narziss und Goldmund
Originalsprache: Deutsch
Genre: Drama/Literaturverfilmung
Dauer: 1h 58min
Regisseur: Stefan Ruzowitzky
Erscheinungsdatum: 12. März 2020
Altersfreigabe: FSK 12

Inhalt

Der junge Goldmund (Jannis Niewöhner) wird von seinem Vater zum Studium ins Kloster Mariabronn geschickt und trifft dort auf den frommen Klosterschüler Narziss (Sabin Tambrea). Narziss hat sich dem asketischen und von strengen Regeln geprägten Leben im Kloster mit Herz und Seele verschrieben und zunächst versucht Goldmund, es ihm nachzutun. Zwischen den beiden entwickelt sich schon bald eine innige Freundschaft, aber der ungestüme und lebenslustige Goldmund erkennt bald, dass die Lebensperspektive, die ihm das Kloster bietet, nicht mit seinen Vorstellungen von Freiheit übereinstimmt und begibt sich, bestärkt von Narziss, auf eine Reise voller Abenteuer, bei der er schließlich auch seine große Liebe Lene (Henriette Confurius) kennenlernt. Doch Jahre später treffen sich Narziss und Goldmund unter dramatischen Umständen wieder … (Quelle)

Meine Meinung

Also ich weiß wirklich nicht, was ich von dieser Verfilmung halten soll. Was ich sagen kann: es gab sehr viel Potential und man hätte einen wirklich guten Film daraus machen können. Stattdessen erhält man ein Etwas, das dem Buch nicht gerecht wird und eine eigentlich wunderbare Geschichte auf etwas herunterbricht, was sehr, sehr seltsam ist.
Man hat diese flachen Charaktere und als jemand, der das Buch nicht kennt, kann man die Bindung zwischen Narziss und Goldmund nicht verstehen. Die Szenen zwischen den beiden wirken gewollt und eigentlich möchte man nur noch mit den Augen rollen. Die Figuren haben kaum Tiefe und machen irgendwie ihr Ding, dennoch will man nicht verstehen, was das jetzt soll. Auch den Frauenfiguren wurde die Tiefe genommen. Man konnte wirklich nur den Kopf schütteln, aber Goldmunds Erzählungen und die Darstellung dieser Figuren schienen nicht stimmig zu sein. Zumindest in diesem Film.
Die Geschichte an sich ist an Hesses Roman angelehnt, aber mehr auch nicht. Es wurden viele Dinge verändert, was an sich okay ist und oft einfach auch gut für Filmadaptionen ist. Jedoch hätte man hier das Gefühl, dass viele Schlüsselszenen gefehlt haben. Denn einige Dinge waren nicht allzu verständlich (außer man kennt das Buch, aber man sollte die Geschichte im Film auch ohne Buch verstehen können). Die Idee mit den Flashbacks an sich ist nicht schlecht, jedoch wirkt es ein wenig erzwungen und nicht real. Manche Szenen hätten auch nicht zwingend sein müssen …
Zur schauspielerischen Leistung: aus dem gegeben wurde das beste heraus geholt. Gerade Sabin Tambrea war in der Rolle der Narziss sehr stark und auch die Rolle des Goldmund schien mehr oder weniger zu Jannis Niewöhner zu passen. Nur hätte es nicht sein müssen, dass er sehr oft oberkörperfrei durch die Gegend rennt. Irgendwann versteht auch wirklich jeder, dass er durchtrainiert ist. (Was im übrigen kaum Sinn macht, aber gut. Darüber muss man sich jetzt nicht aufregen. Nehmen wir es einfach mal hin und wahrscheinlich dachten sich die Filmemacher: Ach, sexualisieren wir mal Frauen UND Männer. Dann fühlt sich keiner benachteiligt.)
Linguistisch gesehen habe ich mich zwischendurch immer mal wieder gefragt, ob es gewisse Wörter zu der Zeit, in der der Roman spielt, schon gab. Aber das müsste man noch einmal nachschauen. Jedenfalls haben sich manche Formulierungen unnatürlich und sehr unpassend angefühlt.
Was wirklich sehr schön war: Maske und Kostümbild. Gerade die Darstellung der Pest ist wirklich sehr gut gelungen, aber auch die Kleidung, die die verschiedenen Personengruppen getragen haben.
Auch die Bilder und die Kamera war sehr schön. Gegen Ende gibt es beispielsweise eine Szenen, die einem im Gedächtnis bleibt. Aber diese gibt es auch zwischendurch, weshalb ich an dieser Stelle wirklich sagen muss, dass die Kinematographie gelungen ist. In dieser Hinsicht war es dann wieder schön den Film anzusehen.
Im Großen und Ganzen ist der Film leider nicht so gelungen und ist eben auch stellenweise verstörend. Leider wurde das Potential nicht ausgeschöpft und ich würde jedem empfehlen lieber das Buch zu lesen, um einfach die Tiefe der Geschichte zu haben. Außerdem gibt es Verfilmungen anderer Bücher, die man sich ansehen kann. Jannis Niewöhner Fans werden wohl auf ihre Kosten kommen.

Bewertung

Cringy würde das ganze auch sehr gut zusammenfassen. Von mir hat der Film 2 von 5 Sternen bekommen und ich lege euch wirklich ans Herz zuerst das Buch zu lesen.
Eure szebra

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