"The Human Condition" von Hannah Arendt [Rezension]

"The earth is the very quintessence of the human condition, and earthly nature, for all we know, may be unique in the universe in providing human beings with a habitat in which they can move and breathe without effort and artifice."*

Inhalt

A work of striking originality bursting with unexpected insights, The Human Condition is a in many respects more relevant now than when it first appeared in 1958. In her study of the state of modern humanity, Hannah Arendt considers humankind from the perspective of the actions of which it is capable. The problems Arendt identified then--diminishing human agency and political freedom; the paradox that as human powers increase through technological and humanistic inquiry, we are less equipped to control the consequences of our actions—continue to confront us today.

Meine Meinung

"The Human Condition" beziehungsweise "Vita activa oder Vom tätigen Leben" ist das Hauptwerk von Hannah Arendt. Sollte euch der Name nichts sagen, dann empfehle ich auf jeden Fall den Namen in eine Suchmaschine einzugeben. Jedenfalls entwickelt Arendt in ihrem Werk eine Theorie des politischen Handelns. 
In dem Buch wird die Geburt als Möglichkeit einen Anfang zu machen definiert. Arendt diskutiert, dass jedes Individuum die Aufgabe hat mit der Hilfe von anderen die Welt aktiv zu formen bzw. zu beeinflussen. Dabei hat jedes menschliche Leben drei "Grundtätigkeiten": Arbeiten, Herstellen und Handeln, welche von ihr genauer definiert werden. Sie argumentiert auch, dass die menschliche Natur weder charakterisierbar noch definierbar sei. Beides sehr spannend, vor allem letzteres, weil die argumentiert, dass die Bestimmung des menschlichen Wesens meist in der Konstruktion eines Göttlichen endet. Im Endeffekt hat sie nicht unrecht, wenn wir uns verschiedene Religionen anschauen oder das Bild, was von Menschen in Religionen geschaffen wird. 
Im zweiten Teil des Buchs geht es vor allem um die Massengesellschaft und wie das Wort Gesellschaft jetzt auch den politischen Bereich einbezieht. Arendt argumentiert, dass die Bedeutung des Politischen, des Handelns, also in den Hintergrund gerückt ist. Es ist auch spannend wie sie die christlich-abendländische Philosophie kritisiert. 
Man merkt auch, dass Arendt unter Heidegger studiert hat, denn seine Einflüsse schleichen sich immer wieder ein und scheinen teilweise sehr stark durch. Auch, wenn sie an manchen Stellen gegensätzlich argumentiert und somit ihre Theorie etabliert, sind die Einflüsse durch jene, bei denen sie studiert hat oder die in ihrem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben, klar sichtbar. Selbst, wenn man die Personen und ihre Hintergründe nicht kennt, merkt man schon, dass ein gewisser Ton allgegenwärtig ist.
Was ich definitiv sehr anstrengend fand war die Länge des Buches. Es ist zwar nicht eins ihrer längsten Werke, jedoch hatte ich das Gefühl, dass es sich sehr gezogen hat. Ich hatte zwischendurch wirklich keine Lust mehr weiterzulesen, aber habe mich letztendlich dazu aufraffen können. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, aber ich weiß nicht, ob ich es noch einmal machen würde. Eventuell würde ich Auszüge lesen, falls ich diese jemals für eine Hausarbeit brauchen sollte, aber so als Freizeitlektüre werde ich es vermutlich nicht noch einmal lesen. 
Das Buch ist sehr einfach geschrieben, auch wenn Arendt sich immer wieder herausnimmt in verschiedenen Sprachen zu zitieren. Vor allem in den Sprachen Deutsch und Französisch (das Buch ist im Original auf Englisch erschienen). An sich ganz schön, dass auch andere Sprachen zu finden waren, jedoch hätte es hier gereicht, wenn die Zitate in der Übersetzung dagestanden hätten. War es eine Demonstration ihrer Sprachkenntnisse? Oder war die Bedeutung der Zitate im Original wichtig? Ich weiß es nicht. Es war okay, aber ich persönlich war kein Fan davon, da es nicht notwendig war. 
Mir hat auch sehr gut gefallen, dass das Buch nach der Veröffentlichung ein Vorwort bekommen hat. Es ist immer sehr spannend die Eindrücke einer anderen Person zu lesen.

Bewertung

Ehrlich gesagt weiß ich nicht wie viele Sterne ich vergeben soll, weil es sich bei diesem Buch seltsam anfühlt eine Sternebewertung zu geben. Aber spontan würden ich 3.5 von 5 Sternen vergeben. Einfach, weil es Dinge gab, die mir nicht so gut gefallen haben. Ich bin gespannt auf "The Origins of Totalitarianism" (im Deutschen: "Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft") und grundsätzlich mehr von Arendt. Ich empfehle ihre Werke weiter, wenn ihr in dem Gebiet schon etwas gelesen habt. Als Einstiegswerk würde ich Hannah Arendt nicht empfehlen, da es vermutlich überfordernd sein wird. 
Eure szebra

Zum Buch

Titel: Vita activa oder Vom tätigen Leben
Originaltitel: The Human Condition 
Verlag: University of Chicago Press
Erscheinungstermin: 1958; Neuedition mit Vorwort von Margaret Conovan 1998
Preis: ~20€ (TB, Englisch); 14€ (Klappenbroschur, deutsch)
Seiten: 380 (englisch); 592 (deutsch)
Altersempfehlung: dieses Mal gibt es keine, aber ich empfehle ein vorherige Auseinandersetzung mit Philosophie

Autorin

Hannah Arendt, am 14. Oktober 1906 im heutigen Hannover geboren und am 4. Dezember 1975 in New York gestorben, studierte unter anderem Philosophie bei Martin Heidegger und Karl Jaspers, bei dem sie 1928 promovierte. 1933 emigrierte Arendt nach Paris, 1941 nach New York. Von 1946 bis 1948 arbeitete sie als Lektorin, danach als freie Autorin. Sie war Gastprofessorin in Princeton und Professorin an der University of Chicago. Ab 1967 lehrte sie an der New School for Social Research in New York.

*entnommen aus "The Human Condition" von Hannah Arendt; Werbung aufgrund von Verlinkungen und Markennennung

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