Aussortiert - Wie es dazu kam, dass ich über 100 Bücher aussortiert habe

    Und dieser Titel ist kein Clickbait, weil es stimmt. Ich habe tatsächlich mehr als 100 Bücher aus meinem Regal, bzw. meinen Regalen, aussortiert und ich muss gestehen, dass ich noch nicht ganz fertig damit bin. Es gibt noch das ein oder andere Buch, was noch in meinem Regal steht, und ich noch lesen möchte. Sobald das passiert ist, wird dieses Buch von meinem Regal Abschied nehmen müssen und hoffentlich ein schönes, neues Zuhause finden. Apropos neues Zuhause: ich hoffe, dass sie das alle tun. Also die Bücher, die ich aussortiert habe. 
    Aber bevor ich hier noch etwas anderes erzähle und auf das wie und warum eingehe, möchte ich euch gerne eine Zahl nennen. Und zwar sind es insgesamt 201 Bücher, die ich aussortiert habe. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich selbst ein wenig schockiert war, als ich diese Zahl ausgerechnet habe. Mir war zwar bewusst, dass ich viele Bücher besitze (eBooks ausgeklammert) und dass ich einige von ihnen nicht mehr besitzen möchte, aber mir war nicht bewusst, dass es so viele sein würden. Jedenfalls liegt der aktuelle Bücherstand bei 228, was immer noch sehr viel ist, aber irgendwie nicht so viel aussieht, wenn ich mir mein Regal so anschaue. Trotzdem gibt es mir ein seltsames Gefühl, zu wissen, dass ich so viele Bücher in meinem Besitz habe und es bis vor kurzem noch über 400 Bücher waren. 
    Aber wieso habe ich denn Bücher aussortiert? Vor allem so viele? Tja, ich glaube das muss ich mal ein bisschen in der Zeit zurück. 2019 habe ich irgendwann meine Bücher sortiert und habe gemerkt, dass ich schon sehr viele Bücher besitze. Das gleiche habe ich dann letztes Jahr während des ersten Lockdowns bei meinen Eltern gemacht und auch da ist mir aufgefallen, dass es echt viele Bücher sind, die ich besitze. Ich sortiere zwar regelmäßig aus, aber es sind immer nur ein paar Bücher und an deren Stelle folgen dann Neuzugänge. An sich voll okay, wäre da nicht dieses mulmige Gefühl gewesen, was ich immer mit mir getragen habe. Nachdem ich dann umgezogen bin und ein neues Regal hatte, dieses befüllt habe, ist mir schnell folgendes bewusst geworden: einige dieser Bücher werde ich niemals lesen und ich trage sie nun schon eine Weile ungelesen von Ort zu Ort und andere wiederum sind Bücher, die ich mal gelesen habe, aber bei denen ich mir sicher bin, dass ich sie nicht erneut lesen werde. Falls doch, dann wäre es eher in ferner Zukunft oder so. Es hat danach noch eine Weile gedauert bis ich endlich den Entschluss gefasst habe Bücher auszusortieren. Um genau zu sein, Anfang diesen Jahres, Ende Januar. Ich habe mich vor mein Regal gestellt, bin jedes einzelne Buch durchgegangen und habe mich gefragt, ob und wieso ich behalten möchte. Bei manchen Büchern habe ich echt gehadert, bei anderen wiederum ist es mir sehr leicht gefallen. Was ich vor allem gespürt habe war Erleichterung, als wäre ein Ballast abgefallen. Das war sehr seltsam, weil ich es nicht erwartet hätte. 
    Als ich bei meinen Eltern aussortiert habe, ist mir die Entscheidung teilweise viel schwerer gefallen, weil dort viele Bücher aus meiner Jugend und Kindheit waren, mit denen Erinnerungen verbunden waren. Manche der Bücher habe ich auch behalten, wie beispielsweise das erste Buch, welches ich mir selbst gekauft habe oder ein Buch, welches ich in der dritten Klasse gelesen und geliebt habe. Aber bei vielen Büchern habe ich auch Abschied genommen und nachdem ich dann fertig war, war ich sehr aufgewühlt. Einerseits, weil ich mich von den ganzen Büchern getrennt hatte und das Gefühl der Erleichterung da war, aber andererseits auch, weil ich aufkratzt war und noch mehr Dinge aussortieren wollte. Da habe ich mich dann gefragt, ob es etwas mit dem Alter zu tun hat? Dass ich jetzt erwachsener werde und merke, dass ich gewisse Dinge im Leben nicht brauche? Ob ich unterbewusst mit etwas abgeschlossen habe? Ob es die Tatsache ist, dass ich nicht jedes Buch besitzen muss, was ich je in meinem Leben gelesen habe? 
    Fragen über Fragen, auf die ich keine Antworten hatte. Teilweise habe ich jetzt antworten, weil mir zum Beispiel klar geworden ist, dass ich einige der Bücher nur aufgrund von Bookstagram oder Empfehlungen anderer Personen gekauft habe, obwohl ich mich das Buch eigentlich nicht interessiert hat. Aber dann gab es noch die Bücher, die sich in meinem Regal befanden, weil sie schön aussehen. Stellvertretend dafür steht ein komplettes Genre, und zwar New Adult. Wer meinen Blog kennt, der weiß, dass ich eine toxische Beziehung zu diesem Genre führe und beschlossen habe, dass es Zeit wird, dieses Genre aus meinem Regal zu verabschieden. Gelesen habe ich es vor allem, weil dazu gehören wollte. Fast jede*r auf Bookstagram liest es und man kann sich mit so vielen Personen über dieses Genre austauschen. Es ist super beliebt und ich bin jetzt an dieser Stelle ehrlich: es bringt auch Reichweite, weil alle diese Cover mit den schönen Covern liken und immer nur davon geschwärmt wurde. Aber was ich vor allem gesehen habe, wenn ich diese Bücher gelesen habe: wie toxisch alles ist und was für ein falsches Bild eigentlich vermittelt wird. Pseudo-starke Charaktere und immer muss es ein Mann sein, der die Frau "rettet". Uff! Das fällt mir dazu ein - eigentlich auch so viel mehr, aber das möchte nicht auf meinem Blog stehen haben und sind wir ehrlich: ich kann meine Zeit anders nutzen als mich über dieses Genre aufzuregen. Was ich sagen kann: es tut sehr gut es nicht mehr in meinem Regal stehen zu haben.
    Tja, und was habe ich mit all den Büchern gemacht? Viele verschiedene Sachen, aber was ich unbedingt wollte: dass alle Bücher ein schönes neues Zuhause finden, in dem sie wertgeschätzt werden. Zum einen habe ich einige Bücher in offene Bücherregale gestellt, vor allem die Kinderbücher, weil diese in offenen Bücherregalen oftmals in der Unterzahl sind. Viele der Bücher habe ich auch an Momox verkauft. Ich weiß, dass das nicht sonderlich viel Geld bringt und ich auf andere Wege mehr Geld für die Bücher bekommen hätte. Aber mir ging einfach nur darum die Bücher loszuwerden, weil ich einfach keine Lust hatte sie ewig bei mir herumstehen zu haben und zu warten, dass sich endlich jemand meldet. Das war mir zu nervig und da war diese Plattform die beste Lösung - vor allem, weil ich den Versand auch nicht zahlen konnte und die Leute dort wahrscheinlich auch dankbar sind, wenn sie Bücher bekommen, die in einem guten bis sehr guten Zustand sind. Weiter habe ich einige der Bücher an Menschen verschenkt oder verkauft. Dafür habe ich sie in Gruppen mit Freund*innen gestellt, aber vor allem in meine Story auf Instagram. So konnte sich jede*r bei Interesse bei mir melden. 
    Und jetzt? Hm, jetzt habe ich euch erzählt wie und warum und vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch erwähnen, dass ich mir vornehme Bücher bewusster zu kaufen und auch regelmäßiger auszusortieren. Aber was ich vor allem gelernt habt: irgendwelchen Bookstagram Trends zu folgen bringt nichts, vor allem, wenn man dann Bücher kauft, die man eigentlich nie lesen wollte. Da ist es besser, wenn man es gleich sein lässt. Kann ich nur weiterempfehlen. Ach ja, und ein signiertes Buch mir Widmung hält mich definitiv nicht davon ab es auszusortieren. Es ist zwar seltsam so ein Buch in ein öffentliches Bücherregal zu stellen, aber ganz ehrlich: einfach den Namen mit einem Sticker oder was anderem überkleben. Dann passt das schon. Ich habe beispielsweise Etiketten genommen und aus dem "Für Navika" ein "Für Dich" gemacht, sodass sich der/die neue Besitzer*in über ein signiertes Buch freuen kann. Und solltet ihr eins dieser Bücher finden oder so: schickt mir doch gerne ein Bild auf Instagram. Es interessiert mich sehr wo die Bücher alle so gelandet sind und wie weit sie gereist sind.
   
    Mit diesen Worten bin ich schon am Ende meines Posts angelangt und wünsche euch noch einen schönen Tag! Und wer weiß, vielleicht habe ich euch ja dazu inspiriert auch auszusortieren. Sollte das der Fall sein, so lasst es mich gerne wissen!
Eure szebra

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