Sonntag, 16. August 2020

"Das Gegenteil von Hasen" von Anne Freytag [Rezension]

"Der Tag, an dem alles anders wurde, war ein Donnerstag. Das Datum weiß ich nicht mehr."*

Inhalt

Sie sind in derselben Jahrgangsstufe und trotzdem in verschiedenen Welten. Julia, Marlene und Leonard im Zentrum der Aufmerksamkeit, der Rest irgendwo in ihrer Umlaufbahn. Dann geschieht etwas, das alles verändert: Eines Morgens macht plötzlich eine Internetseite die Runde, die bis dato auf privat gestellt war. Darauf zu finden sind Julias ungefilterte Gedanken, Bomben in Wortform, die sich in kürzester Zeit viral verbreiten. Es sind Einträge, die ein ganz anderes Bild des beliebten Mädchens zeigen, das alle zu kennen glauben. 
Wer hinter der Aktion steckt, ist zunächst unklar, doch nach und nach kommt heraus: Gründe dafür hätten einige.

Meine Meinung

Vorneweg: was jetzt folgt ist meine Meinung und ich möchte mit dieser Meinung keinen Menschen angreifen oder gar gegen die Autorin sprechen. Aber es gibt nun einmal Dinge, die jede*r anders sieht und ich hoffe sehr, dass das akzeptiert wird!

In "Das Gegenteil von Hasen" geht es allen voran um einzelne Schüler*innen einer Jahrgangsstufe, die so gesehen nicht viel miteinander zu tun haben. Einige sind befreundet, andere wiederum zusammen und dann gibt es noch die, die nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben. Julia gehört zu diesen Personen und als ihr Laptop eines Tages gestohlen wird und kurz darauf ihre ungefilterten Gedanken im Netz kursieren, geht das Drama los. Denn in diesen Einträgen spricht sie über ihre Mitschüler*innen. Es sind nicht gerade positive Dinge, die in diesen Beiträgen stehen und plötzlich denkt jede*r anders. Alle haben nun dieses andere Bild von Julia. Ein Bild von Julia, das durch diese Einträge entstanden ist und vieles verändert. Aber wer hat eigentlich diese Einträge veröffentlich? Und wieso eigentlich? Und welche Auswirkungen werden diese Beiträge haben?

Für mich war sofort klar, dass ich dieses Buch lesen möchte. Nicht nur, weil ich ein großer Fan der Autorin bin, sondern weil mich das Thema brennend interessiert hat. Denn es geht hier um Mobbing, um die Probleme Jugendlicher und wie sie damit klar kommen. Jedoch muss ich sagen, dass ich wirklich enttäuscht von diesem Buch bin. Um ehrlich zu sein: ich fand es schrecklich und habe immer wieder überlegt es abzubrechen. Jedoch hatte ich die Hoffnung, dass es besser wird, denn ich hatte ja all diese positiven Rezensionen gelesen und dachte gleichzeitig: "Nee, Anne Freytag kann kein Buch schreiben, das dir nicht gefällt." Aber genau das ist passiert und ehrlich gesagt tut es mir nicht leid, da ich dieses Buch in vielerlei Hinsicht einfach problematisch finde. Und anstrengend. 
Die Idee finde ich super und das Grundgerüst an sich auch, jedoch hat es mir einfach in der Umsetzung gemangelt und dann waren da diese Aspekte, die mich wirklich schockiert haben, aber gleichzeitig auch traurig gemacht haben. Ich hatte das Gefühl, dass versucht wurde so viel wie möglich in dieses Buch rein zu packen, was teilweise nicht einmal reingepasst hat. Es wurde teilweise zu viel und eine abgespeckte Version des Ganzen hätte es auch getan. 
Die Charaktere waren mir fast durchgehend unsympathisch. Ich wurde nicht warm mit ihnen und sie haben alle so sehr an der Oberfläche gekratzt. Sie hatten wenig bis gar keinen Tiefgang und ich hatte mehr das Gefühl, dass es Ansätze von Charakteren waren, aber keine richtigen Charaktere. Mal abgesehen davon, haben sie mir in der ersten Hälfte des Buches definitiv zu viel gejammert. Es hat sich angefühlt als würde man die Charaktere aufgrund ihrer Situation bemitleiden und das finde ich einfach nur schrecklich. Mitleid kann eine Person in einem Mobbing-Vorfall definitiv nicht gebrauchen. Von den Erwachsenen in diesem Buch möchte ich gar nicht anfangen. Vor allem nicht von den Lehrer*innen. Aber was ich sagen möchte: Vielen Dank für dieses negative Bild der Lehrer*innen. Denn dadurch wirkt es so, als seien diese emotionslose Wesen, denen die Schüler*innen egal sind. Das hat mir das Gefühl gegeben, dass die Autorin nicht wusste, wie es in einer Schule so abläuft und ich finde es sehr schade, dass diese Personengruppe so negativ dargestellt wird. 
Weiter geht es mit den Beziehungen in diesem Buch. Da habe ich wirklich am Rad gedreht. Wenn ich zusammenfassen müsste: Das Buch sagt im Endeffekt aus, dass es in Beziehungen vor allem nur um das Körperliche geht. Reden? Was ist das? Gibt es nicht. Gefühle der anderen Person? Ähm nee, die andere Person hat doch keine Gefühle. Ach ja, und bei Lesben geht es nur um den Sex und das Outing. Mehr gibt es da nicht. Nope. Und wenn eine Person bisexuell ist, dann kann sie nur ein Penis befriedigen. Was besseres gibt es ja nicht. Um das zusammenzufassen: dieses Bild von Beziehungen, das vermittelt wird, geht gar nicht. Gerade für diese Zielgruppe finde ich das schwierig. Denn dadurch bekommt ein Bild vermittelt, welches so nicht stimmt. Es wäre in Ordnung gewesen, wenn eine der Beziehungen sich nur auf das Körperliche reduziert hätte. Aber alle? Echt jetzt?
Thema Mobbing. Das hat mich am meisten schockiert und mich echt stutzen lassen. Das war auch einer der vielen Momente, in denen ich dachte, dass ich das Buch jetzt abbreche. Laut diesem Buch ist das Opfer von Mobbing selbst Schuld. Und zwar immer! Es wird pauschalisiert was das Zeug hält und da musste ich echt schlucken. Denn das geht in meinen Augen einfach gar nicht. Ach ja, hinzu kommt noch: wenn du dich änderst, dann hören sie auf mit dem Mobbing. Und mit ändern ist "Wenn du so wirst wie die anderen" gemeint. Schöne Message, oder? Werde ich direkt anwenden und allen gemobbten Menschen da draußen sagen, dass es ihre eigene Schuld ist, dass sie gemobbt werden. 
Ja, und diese Auflösung war ja mal super. Nicht! Ich hatte das Gefühl, dass da eher nach dem Motto "Ich brauche jetzt ein Ende" gegangen wurde. Klar, man könnte Verknüpfungen machen, aber die sind teilweise echt weit hergeholt. Zudem kommt das Ende sehr abrupt und es geschehen auch andere Dinge, die nicht wirklich Sinn ergeben. Ich saß am Ende (eigentlich schon die ganze Zeit) kopfschüttelnd da und das ist ein Buch, was ich am liebsten gegen die Wand geschleudert hätte, weil es mich einfach wütend gemacht hat. Denn die Zielgruppe sind Jugendliche und es vermittelt gerade nicht die besten Werte. Ich würde dieses Buch ehrlich keinem zum Lesen geben, außer ich bin mir zu 100% sicher, dass diese Person genug Reife hat und sich selbst und alles um sich herum kritisch reflektieren kann. Meinem 14-jährigen Ich hätte ich dieses Buch definitiv nicht gegeben. 
Was positiv war: der Schreibstil (ich liebe den Schreibstil von Anne Freytag) und das Cover. Es ist wirklich sehr schön, vor allem wenn man Cover und Titel auf die Metapher mit dem Hasen und dem Wolf aus dem Buch bezieht. Es sind wirklich schöne Zitate dabei, aber das wars dann auch wieder.

Bewertung

Von mir gibt es für dieses Buch 1 von 5 Sternen. Mehr war einfach nicht drin und ich muss auch sagen, dass ich es keinem weiterempfehle. Denn dafür hat es mich viel zu sehr aufgeregt.
Eure szebra

Zum Buch

Titel: Das Gegenteil von Hasen
Autorin: Anne Freytag
Erscheinungstermin: 25. Mai 2020
Preis: 17.99€ (HC); 13.99€ (eBook)
Seiten: 416
Altersempfehlung: ab 14 Jahren (Verlag)

Autorin

Anne Freytag hat International Management studiert und als Grafikdesignerin gearbeitet, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Romanen widmete. Für ihre ersten beiden Jugendbücher wurde sie für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert, für ihren dritten Roman »Nicht weg und nicht da« für den Buxtehuder Bullen 2018. Außerdem erhielt sie dafür den Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte Literatur. Zuletzt bei Heyne fliegt erschienen: »Mein Leben basiert auf einer wahren Geschichte«. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in München.

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

*S.7 Z.1f. aus "Das Gegenteil von Hasen" von Anne Freytag; Werbung aufgrund von Markennennung und Markierungen

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