Freitag, 29. Januar 2021

Let's talk about Racism - Concrete Rose Bloggeraktion*

Am 25. Januar ist "Concrete Rose" von Angie Thomas im cbj-Verlag erschienen. Das Buch erzählt die Vorgeschichte zu "The Hate U Give" und es geht hier um Starrs Vater Maverick, der unerwartet Vater wird und dessen Leben sich dadurch von Heute auf Morgen ändert. Denn gleichzeitig Dealer sein, zur Schule gehen und für seinen Sohn da sein passt nicht wirklich so gut unter einen Hut. Für ihn ist der einzige Ausweg aus seiner Gang auszutreten, aber einfacher gesagt als getan. Denn so einfach ist das nicht ... 
Passend dazu gibt es eine kleine Aktion des Verlags und ich dachte mir, dass mal an der Zeit ist über Rassismus zu sprechen, denn wenn ich ehrlich bin: während der Black Lives Matter Bewegung letztes Jahr ist dieses Thema sehr in den Fokus gerückt und irgendwie war es danach genauso schnell auch wieder vom Tisch. So, als wäre nichts gewesen. Als wäre das Thema gegessen, nur weil man einen Post dazu verfasst hat, ein Buch gelesen hat, auf der Straße demonstriert hat oder aber schlicht und einfach ein schwarzes Quadrat gepostet. "Das reicht ja, denn was will man denn dagegen machen?"
Das sehe ich nicht wirklich so und es gibt viele Gründe dafür. Zu lang, um sie alle hier aufzulisten. Aber ich kann ein paar davon nennen und vor allem über meine eigenen Erfahrungen sprechen. "Concrete Rose" gibt einen Einblick in das Leben von BIPoC (Black, Indigenous and People of Colour) in den Vereinigten Staaten und dadurch wirkt es immer, als wäre Rassismus ein Problem der USA. Denn die haben ja die Sache mit dem Kolonialismus und der Sklaverei und so viele andere Dinge. Oft geht unter, dass Deutschland auch Kolonien hatte und dass Rassismus hier genauso ein Problem ist. 
Ich fange einfach mal mit dem Bild an, dass ich für diesen Post erstellt habe. Es sind alles Statements, die ich mir regelmäßig anhören darf, weil ich so aussehe wie ich aussehe und mein Name Navika Deol ist. Aber das ist nur eine kleine Auswahl der Dinge, die ich mir anhören darf und ich bin definitiv nicht allein. Laut dem Statistischen Bundesamt lebten 2019 in Deutschland 21,2 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund, was ungefähr 26% der Gesamtbevölkerung ausmacht. In diese 21,2 Mio. Menschen fallen Zugewanderte und ihre Nachkommen. 11,1 Mio. dieser Menschen sind Deutsche, aber werden trotzdem als Ausländer*innen abgestempelt, denn sie passen nicht in das Klischee-Bild des "Deutschen", weil sie keine weiße Haut haben, eine andere Haarfarbe, einen anderen Namen oder gar auch noch eine andere Sprache sprechen. 
Jedes Mal, wenn ich höre, dass jemand die Nase voll davon hat immer über dieses Thema zu sprechen und überall aufpassen zu müssen, was er/sie/es jetzt von sich gibt, denke ich mir: "Ja, ich habe auch die Nase voll, dass ich überall dumm angeschaut werde und mir diese dummen Kommentare anhören darf." Ich habe die Nase voll immer gefragt zu werden wo ich denn herkomme. Ich habe die Nase voll zu hören, dass ich exotisch sei. Ich habe die Nase voll überall so dumm angeschaut zu werden. Ich habe die Nase voll, wenn Leute mit mir reden als sei ich dumm und als verstände ich die Sprache nicht. Ich habe die Nase voll fetischisiert zu werden. Ich habe die Nase voll, dass direkt so viele Schlussfolgerungen gezogen werden, weil mein Name Navika ist. Ich habe die Nase voll von Rassismus und von allen Menschen, die mir klar machen wollen, dass es keinen Rassismus gibt. Vor allem habe ich die Nase voll von all diesen Menschen, die mir immer sagen, dass sie es nicht so meinen. Denn schließlich äußert man Fragen wie "Wo kommst du wirklich her?" oder "Sprechen deine Eltern eigentlich Deutsch?" nicht einfach so. Ein gewisses Vorurteil schwingt da immer mit. Dann zu behaupten, dass man nur aus reinem Interesse gefragt hat, ist ziemlich unverschämt und mir dann vorzuwerfen, empfindlich zu sein ebenso unverschämt. An alle, die an dieser Stelle nicht nachvollziehen können, was ich meine: Stellt euch vor ihr habt einen sehr großen Pickel im Gesicht und jede Person, der ihr begegnet macht euch darauf aufmerksam. Wirklich jede Person. Entweder mit den Blicken oder aber mit Worten. Anfangs ist euch relativ egal. Ihr sagt nichts. Aber je mehr Menschen darauf aufmerksam machen, desto mehr stört es euch, dass sich diese Menschen ihren Kommentar nicht verkneifen können. Denn ihr wisst genau, dass dieser Pickel existiert. Ihr sagt immer noch nichts und irgendwann kommt diese eine Person und bekommt alles ab, was ihr die ganze Zeit in euch gehalten habt. Die Wut, der ganze Frust. Alles. Klar, die Person sollte nicht den gesamten Frust abbekommen, aber sie war in dem Moment eben da und hat eben dieses Fass zum Überlaufen gebracht. Und jetzt stellt euch vor, dass ihr von allen so betrachtet werdet wie dieser Pickel. Blicke von allen Seiten. Flüstern. Kommentare. Und Benachteiligung. 
Apropos Benachteiligung: das bekomme ich auch oft zu spüren. Mir wird nicht die gleiche Kompetenz zugetraut wie anderen. Vor allem in meiner Schulzeit habe ich dafür kämpfen müssen, dass mich die Lehrer*innen sehen und wahrnehmen. Oft waren sie so überrascht, dass ich doch so gut bin. Das haben sie Zitat einer Lehrkraft "nicht erwartet". Wisst ihr wie frustrierend das für mich war? Es wurde jedes Mal davon ausgegangen, dass ich bestimmte Dinge nicht kann, weil meine Eltern aus einem anderen Land eingewandert sind. Das hat alles schon sehr früh angefangen. Ein Beispiel aus der Grundschule war der Elternabend der ersten Klasse. Meine Eltern haben mir diese Geschichte erst viele, viele Jahre später erzählt, aber ich weiß, dass sie immer noch an ihnen nagt. (Ich bin jetzt 22 Jahre alt und damals war ich 6.) Im Zuge dieses Elternabends sind diskriminierende Worte gefallen, dass die Ausländerkinder die anderen Kinder doch von ihrem Lernfortschritt abhalten würden. Die Person, die diese Worte äußerte, hat in diesem Moment auch meine Eltern angeschaut, sodass eigentlich klar war, wer damit gemeint war. Ich muss an dieser Stelle auch sagen, dass ich froh bin, dass meine damalige Klassenlehrerin daraufhin nur meinte, dass diese Ausländerkinder zu den Klassenbesten gehören und die Person zum Schweigen brachte. Ich kann euch auch sagen, dass das definitiv kein Einzelfall ist und sich im Endeffekt über den kompletten Bildungsweg einer BIPoC Person erstreckt. Auch an der Uni musste ich erst einmal klarstellen, dass ich nicht dumm bin und dass ich durchaus in der Lage bin die gleichen Leistungen zu erreichen wie jede andere Person. 
Wisst ihr was ich auch spannend finde? Wenn Menschen daher gelaufen kommen und mich fragen, ob sie gerade rassistisch zu einer anderen Person waren. Da frage ich mich: "Warum gehst du nicht zu dieser anderen Person?" Denn ich kann für mich selbst sprechen, aber definitiv nicht für alle BIPoC Personen. Denn was für andere vielleicht tolerabel erscheinen mag, ist für vielleicht ein No-Go. Ich rede gerne über das Thema und kläre auf, aber viel wichtiger ist, dass man sich selbst die Information beschafft. Ich könnte euch theoretisch immer und immer wieder erzählen, was ihr tun müsst, um dem Rassismus Problem entgegen zu wirken. Aber das reicht nicht. Es muss jede*r selbst aktiv werden. Es reicht einfach nicht ein schwarzes Quadrat zu posten oder zu sagen, dass man damals auf dieser Demonstration mitgelaufen ist. Klar, es ist auf jeden Fall ein Anfang, aber man muss weitermachen. Wer einen Aufsatz schreibt, der schreibt auch nicht nur ein Wort hin und geht dann wieder. Es ist ein längerer Prozess und anfangen tut dieser damit, dass man sich informiert. Schnappt euch die Bücher, die es da draußen gibt. Die Bücher von Angie Thomas sind ein Anfang. Es gibt sehr viele BIPoC Gruppen und Menschen, die sehr viel Information kostenlos zur Verfügung stellen. Hier ein paar hilfreiche Links zu Büchern und Seiten, die ihr nutzen könnt, um euch über das Thema zu informieren:


Das waren jetzt erst einmal ein paar Seiten und Bücher. Natürlich gibt es noch so viel mehr, aber für den Anfang habe ich euch einige bekannten Artikel und Bücher aufgelistet, die mir direkt eingefallen sind. Wichtig ist vor allem, dass Betroffenen eine Plattform geboten wird und dass man ihnen zuhört und das erreicht ihr auch damit, indem ihr Bücher von BIPoC über BIPoC kauft. Denn niemand kann besser über eine Situation schreiben als jemand, der solch eine Situation selbst erlebt hat. Klar, das bricht die klassischen Normen. Denn meist sind Protagonisten in Romanen weiß (am besten noch hetero und cis) und so entsteht dieses ein gewisses Bild. Aber was man sich selbst als Leser*in wünscht ist Repräsentation. In den Kinderbüchern, die ich früher gelesen habe, gab es eigentlich nie jemanden, der so aussah wie ich. Daher wollte ich oft jemand anders sein. Denn ich hatte nicht wirklich jemanden zu dem ich aufschauen konnte. Und wenn mal eine BIPoC Person in einem Film oder so vorkam, dann war es oft so, dass diese Person für den Comedic Effect da war. Das ist auch der Grund wieso ich finde, dass Bücher wie "Concrete Rose", "On The Come Up" und "The Hate U Give" so wichtig sind. Sie geben uns nicht nur den Einblick in die Welt von von Rassismus betroffener Menschen, sondern helfen auch zu verstehen. Vor allem können wir aus ihnen lernen und gleichzeitig auch Repräsentation schaffen. Mein Wunsch ist es, dass ich durch die Buchhandlung schlendern kann und direkt sehe, dass auf den Bestseller Listen auch Bücher von BIPoC Menschen sind und nicht nur die von weißen Autor*innen. Ich wünsche mir, dass ein Buch von einer Amanpreet genauso gekauft wird wie das Buch einer Emma. Unsere Gesellschaft ist so vielfältig, wieso können es die Bücher nicht auch sein? Und zwar mit den BIPoCs als Protagonist*innen und nicht als irgendwelche unnötige Nebenfiguren, die nicht wirklich zur Geschichte beitragen. Denn das zeigt nur, dass die/der Autor*in nach außen hin dieses Bild von Diversität vermitteln möchte, welches eigentlich so gar nicht präsent ist. 
Und was ich mir am meisten wünsche: dass diese Bücher von BIPoCs gelesen werden und das von der breiten Masse. Nur so können wir es vielleicht eines Tages schaffen, dass wir BIPoCs uns keine dummen Kommentare mehr anhören müssen.
Eure szebra

*Werbung, aufgrund von Nennung des Verlags und da mir das Buch im Rahmen einer Bloggeraktion kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Vielen Dank an den Verlag an dieser Stelle!

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